Schuleinführung und Corona Teil 1

Vor 2 Wochen wurde die mittlere Tochter von Ines eingeschult. Eine Schuleinführung von der sie sicher noch ihren Enkeln erzählen wird, denn nichts war wie all noch ein paar Jahre zuvor bei ihrer großen Tochter.
Die Corona-Pandemie hat fast alle, schon seit Monaten geschmiedeten Pläne für diesen besonderen Tag im Leben des Kindes regelrecht im Keim erstickt.

Aber lest selbst, was Ines uns über die Schuleinführung ihrer Mittleren berichtet.
Heute den 1. Teil und morgen den 2.

Albtraum im Lockdown

Als im März des Jahres der Lockdown kam, träumte ich eines Nachts von der Schuleinführung meiner Mittleren:

Wir saßen zu Hause im Schlafanzug und die Große trug aus dem Schlafzimmer die Zuckertüte ihrer Schwester ins Wohnzimmer. Auf der Tüte stand nur der Name des Mittelkindes, ansonsten war sie weiß – kein Datum, nicht einmal ein Jahr, war zu lesen. Ich fand das in meinem Traum irgendwie ärgerlich und mit geballten Fäusten guckte ich zum Fenster hinaus. Draußen fiel Schnee! 

Schultüte weiß

Dann fing die Mittlere bitterlich an zu weinen, nach der Oma und dem Opa, nach den Freunden, nach einem Schulranzen, den wir nicht gekauft hatten, weil man zu Hause einfach keinen braucht. Ich versuchte sie zu trösten und wir bemühten uns, trotzdem zu feiern. Der kleine Bruder rupfte den Tüll von der Zuckertüte und das Trauerspiel mit Tränen, Frust und Wut ging wieder los. 

Als die Maus dann in meinem Traum laut brüllte: „Ich will nicht mehr!“ wachte ich auf. Der surreale Moment aus der Fantasiewelt blieb nur kurz, aber die negativen Gefühle, all der Frust und die Hilflosigkeit und die irrationale Wut auf einen Virus, der die ganze Welt lahm legte, hallten noch lange nach in mir.

Alles futsch oder wie?

Es wird keine Schuleinführung geben! Das schoss mir durch den Kopf an diesem Morgen. Keine Vorschule. Kein Zuckertütenfest. Gar nichts. All das wird meinem Kind einfach weggenommen und keiner kann etwas dafür. Keiner kann das wirklich ändern. Ich war niedergeschlagen und sprach mit meinem Mann. Ohne ihn wäre ich sicher verzweifelt. 

Er redete mir gut zu, sagte mir, dass noch viele Monate Zeit seien bis eine Entscheidung käme, ob wir feiern dürften im Herbst oder nicht. Und zur Not hätte wir einfach unsere Location alleine unsicher gemacht, als Familie gegrillt und Party gemacht dort, denn zu fünft kann mach ja schließlich auch eine Menge Spaß haben.  

Ich atmete durch und wir kündigten den Vertrag für das kleine Vereinsheim nicht, das wir mieten wollten. Wir schoben sämtliche Planungen nach hinten und auch als die Lockerungen immer mehr und mehr Freiheiten brachten, warteten wir. Was sollten wir auch anderes tun, als alles auf uns zukommen zu lassen?

Schuleinführung Traum

Hoffnungsschimmer Zuckertütenfest

Als der Juli kam, der letzte Kita-Monat der Mittelmaus, waren wir immer noch alle fünf die meiste Zeit zu Hause. Der Papa im Home Office, ich in Elternzeit, die Große ging nicht zur Schule, für den Kleinen hatten wir noch keinen Krippenplatz und die jüngere Schwester ging nur dann in den Kindergarten, wenn Vorschul- und Ganztagsausflüge anberaumt waren. In unser Leben war eine gewisse Normalität eingekehrt und wir genossen unsere gemeinsame Familienzeit. Nach wie vor vermieden wir Kontakte zu anderen Menschen, wo es nur ging, denn wir Erwachsenen sind leider beide Teil der Risikogruppe. 

Da aber in der Stadt äußerst geringe Corona-Zahlen gemeldet wurden – zu unserer Erleichterung auch über den ganze Sommer hinweg – freuten wir uns, dass die Lockerungen auch mit sich brachten, dass unser Kind in der der Kita übernachten durfte dank Hygienekonzept der Einrichtung und dass das abgesagte Zuckertütenfest nun doch gefeiert werden durfte, wenn auch später als ursprünglich geplant.

Hoffnung keimte auf, als wir draußen im Kitagarten saßen, den Abschied der Kinder aus diesem Lebensabschnitt  beobachteten und den beiden Erzieher*innen Lebewohl sagten. Es flossen Tränen der Dankbarkeit und des Glücks und in diesem Moment stand für uns fest: Ja, wir werden feiern, unser Kind kommt in die Schule, alles wird gut – egal wie!Selbst wenn ein neuer Lockdown käme, selbst, wenn die Teilnehmerzahlen für Familienfeiern nach unten reglementiert werden sollten, wollten wir so planen, als sei alles normal.

Planung ist alles – auch unter Pandemiebedingungen

Da wir unsere Location sowieso für zwei Tage angemietet hatten und einige der Gäste selbst zukünftige Erstklässler in der Familie haben würden, stand schon lange fest, dass wir Samstag und Sonntag feiern würden. 

Dementsprechend schrieben wir Listen, wen wir wann  einladen wollen und können. Natürlich war das ein Wenig mit Pokern verbunden, denn es konnte ja jederzeit sein, dass Partys nur noch mit 15, 10 oder weniger Personen zulässig wären. Da wir selbst zu fünft sind, war das leider gar nicht so einfach. Gute Freunde einzuladen, ist immer schön, aber (informelle) Einladungen wieder zu canceln tat doch ganz schön weh. Am meisten schmerzte, dass es einfach keine Flüge für die schwedische Verwandtschaft geben würde, wenn die Feier ansteht. Und selbst wenn, hätten meine drei Lieblings-Stockholmer vielleicht in Quarantäne gemusst, statt mit uns das Schulkind hochleben zu lassen.

Am liebsten hätten wir genauso groß gefeiert wie bei unserer Ältesten, doch dass das unrealistisch sein würde, war klar. Stattdessen machte ich eine kleine, aber feine WhatsApp-Gruppe auf, um alle Details der Feier mit den Gästen zu koordinieren, und mein Mann schrieb ein kleines Hygienekonzept für die Party.

Ich nähte eine wunderschöne, bunte Zuckertüte mit Tüll in verschiedensten Farben und einem knallroten Plott (Name und Jahreszahl, denn das Datum traute ich mir dann doch nicht auf die Tüte zu bringen…). Auch ein Kleid hüpfte passend dazu von der Nadel und Schuhe mit sanftem Regenbogenfarbverlauf wurden online erstanden. 

Große Sprünge, kleine Dämpfer

Mehr oder minder kurz vor knapp sagte dann auch die Grundschule zu, dass es eine kleine Feier geben würde auf dem Schulgelände – draußen und ohne Geschwisterkinder, dafür aber mit schicker Mund-Nasen-Mode für Mama und Papa. Wir freuten uns wie die Schneekönige, studierten jeden Tag das Wetter, denn bei Regen, so hieß es von Seiten der Schule, würde die Feier buchstäblich ins Wasser fallen müssen. 

Oma und Opa wurden engagiert, die große Schwester und den kleinen Bruder zu hüten, Helfer, Essen und Getränke für die Party organisiert. Wir schmückten unser gemietetes Vereinsheim und die Mittlere bastelte sich eine eigene Playlist zusammen. Jeden einzelnen Tag der letzten Sommerferienwoche sagte sie 100mal: „Ich bin so aufgeregt!“. 

Leider sagten in eben jenen Tagen doch noch mal einige Gäste ab, weil ihnen die steigenden Zahlen Bauchschmerzen machten oder weil sie selbst nicht gesund waren. 

Auch wenn es ein kleiner Dämpfer war, unsere Feier noch weiter schrumpfen zu sehen, waren wir erfüllt mit Stolz, bald ein weiteres Schulkind zu haben. 
Dieser gigantische Schritt bahnte sich unaufhaltsam an und unsere kleine Große war mehr als bereit dazu, in die 1. Klasse zu kommen.

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Bis morgen
eure Ines

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