Was ist Handarbeit wert?

Ich äußere mich ja selten zu Dingen die mich aufregen, aber ab und zu mache ich mal eine Ausnahme. Heute ist so ein Tag, wo ich mal ganz dezent meiner Laune freien Lauf lasse. Bzw. war der Tag vorvorgestern Abend und da habe ich meinen Frust im WhatsApp-Status rausgelassen und dann noch mal in einer Instagram-Storie. Da ich das Thema aber nicht einfach so nach 24 Stunden verschwinden lassen wollte, schreibe ich hier einfach noch mal alles auf.

Alles begann mit diesem Bild, was der Mann mir am Mittwoch Abend per WhatsApp sendete. Es zeigt den Inhalt unserer Gelddose vom Gartenzaun, mit den Einnahmen für 3 Behelfsmasken.

Geld für 3 Stoffmasken, die im Wert eigentlich bei jeweils mindestens 4€ liegen.

Was ist Handarbeit bzw. Handmade wert?

Bereits am Anfang der Woche schrieb Frau Mutti in einem Blogpost über die Arbeit, die die Herstellung einer Stoffmaske für den Mund-Nasen-Bereich ausmacht. Ich konnte dem nur zustimmen.

Nur einen Tag später dann unsere negative Erfahrung mit der Geldspende für unsere Gartenzaunmasken. Das übrigens nicht zum ersten Mal, doch diesmal musste ich mir Luft verschaffen. Doch lest selbst, was ich bei WhatsApp und Instagram geschrieben habe.

Was ist eine Behelfsmaske wert?

„Unser Maskenprojekt am Gartenzaun läuft immer noch gut.
Mittlerweile hängen wir auch ausgepreiste Masken mit hin, bei denen kostet der Stoff etwas mehr im Einkauf.

Wenn man dann aber Abends die Kasse leert und es sind gerade mal 3,70€ drin und am Zaun fehlen 3 Masken im Wert von mindestens je 4€, dann tut das sehr sehr weh.

Manche Leute wissen anscheinend echt nicht, was für eine Arbeit hinter so einer Behelfsmaske steckt. Oder sie schätzen es nicht wert.

Für eine Behelfsmaske brauchen wir von Stoffauswahl über Zuschnitt, hin zum bügeln und nähen, Draht schneiden und biegen, wieder bügeln und dann falten, mit Jerseyband versehen und letztendlich sauberen verpacken
20 – 25 Minuten.

Diese Zeit ist auch nicht willkürlich gesetzt. Nein, wir haben sie gestoppt und mittels ordentlicher Arbeitszeitanalyse ausgewertet.

Unsere Arbeitsschrittanalyse.

Klar wir machen das alles freiwillig. Es ist ein soziales Projekt von uns, deswegen haben wir bisher keine festen Preise gesetzt, außer es waren Großbestellungen.

Würden wir feste Preise kalkulieren und angeben, dann müssten wir zwischen 10-15 € pro Maske verlangen, um auch unsere Arbeitszeit anständig bezahlen zu lassen.

Aber soweit sind wir noch nicht, denn Es ist ja bekanntlich ein soziales Projekt mit den Masken am Gartenzaun.
Wo übrigens bisher über 500 Masken an unsere Mitmenschen gingen.

Doch wenn es weiter Menschen gibt, die denken, sie müssten keinen € oder nur Cent in unsere Dose geben, auch wenn es bisher freiwillig ist, dann wird es bald keine Masken mehr am Gartenzaun geben.

Und wer jetzt denkt, wir jammern hier auf hohem Niveau und wollen nur Geld scheffeln, dem nehme ich gleich mal den Wind aus den Segeln.

Das ganze Maskenprojekt und alle Aufträge bei mir im Nähzimmer sind ordnungsgemäß als Gewerbe angemeldet. Läut also alles rechtens.

Danke fürs Lesen, aber das musste jetzt mal sein.
Schönen Tag noch.

3 aktuelle Designs unserer Behelfsmasken

Krone richten und weiter machen

Ja man merkt beim lesen schon, dass ich beim Schreiben des Textes sehr angefressen war. Aber dazu stehe ich. Irgendwann ist Schluss mit lustig, soziales Projekt hin oder her.

Wir haben als Folge dieses Ereignisses jetzt unser Schild am Zaun abgeändert und bisher zeigt es auch etwas Wirkung. Jedenfalls waren die letzten beiden Tage wieder annehmbar in den Einnahmen. Was aber nicht bedeutet, dass das uns gegebene Geld annähernd alle Kosten der Maskenproduktion deckt. Arbeitszeit und Nebenkosten sind da überhaupt nicht gedeckt. Wie schon gesagt: Gartenzaun = soziales Projekt.

Da ich ja nun aber auch ein ordentliches Gewerbe habe, werden wir unsere Behelfsmasken und noch andere hübsche Sachen demnächst auch auf anderen Wegen an unsere Mitmenschen bringen. Aber bis dahin dauert es noch etwas, denn vor dem Verkauf hat der liebe Gott die Bürokratie und Gesetze erschaffen. Zudem gibt es hier auch noch Vollzeitjob, Kinder, Haus und Garten. Da bleibt wenig Zeit für andere Sachen.

Bis bald eure Bianca

Was ist eine handgemachte Stoffmaske wert?

Behelfsmasken am Gartenzaun

Seit 2 Wochen ist in Sachsen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Einkaufen oder der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs verpflichtend.
Seit knapp 2 Wochen nähe ich daheim in jeder freien Minute sogenannte Behelfsmasken aus Baumwollstoff und stelle sie der Nachbarschaft an unserem Gartenzaun, gegen eine freiwillige kleine Geldspende zur Unkostendeckung, zur Verfügung. Bisher habe ich dafür schon über 140 Masken fertig genäht, wovon 90% bereits einen dankbaren Abnehmer gefunden haben. Ein Ende scheint momentan nicht in Sicht zu sein.

Behelfsmasken am Gartenzaun mit Spendendose
Behelfsmasken auf der Wäscheleine am Zaun. Mittendrin unsere Spendendose.

Behelfsmasken am Gartenzaun – Warum?

Bereits seit mehreren Wochen nähen meine Nähfreundinnen von Dresden näht fleißig Behelfsmasken für Krankenhäuser, Pflegediensten, Physiotherapeuten oder andere Leute die die Masken im täglichen Arbeitsleben brauchen. Natürlich wird dabei auch noch an die eigene Familie und Verwandschaft gedacht.

Ich selber hatte am Anfang meine Probleme mit dieser Tatsache und war wie gelähmt. Nein, so was kann ich nicht nähen, auch wenn mein Schrank prall gefüllt mit verwendbaren Baumwollstoffen ist. Zu sehr drückte die Last von Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt in dieser Krisenzeit auf meinen Gedanken und blockierten mich. Wie um alles in der Welt soll ich denn nun noch Zeit finden, Behelfsmasken für andere zu nähen?

Doch irgendwann, es war vor knapp 3,5 Wochen setzte ich mich doch einmal an die Nähmaschine und nähte eine Maske. Der Auslöser dafür, nun doch mit dem Masken nähen zu beginnen, war die Tatsache, dass wir jetzt auf Arbeit Mundschutz tragen mussten und das es mittlerweile auch Kollegen gab, die sich daheim in Quarantäne befanden.

So probierte ich letztendlich das ein oder andere Schnittmuster aus, jedoch konnte mich keines so wirklich überzeugen.
Der Mundschutz bei mir auf Arbeit war eine medizinische OP-Masken mit Bindebändern und ihr Sitz über Mund und Nase überzeugte mich da viel mehr. Also schnitt ich daheim eine von mir benutzte Maske auseinander und nahm sie als Vorlage für mein Schnittmuster. Ein erster Test mit Baumwollstoff war auch sofort überzeugend und so war nun auch ich ins Masken-Näh-Universum eingetreten.

Nachbarschaftshilfe auf die andere Art

Natürlich überlegte ich, ob es zu dem Zeitpunkt noch sinnvoll wäre, ebenfalls Behelfsmasken für Krankenhäuser zu nähen oder lieber einen anderen Weg zu suchen, um sich in dieser Sache unterstützend zu zeigen. Immer wieder dachte ich dabei an die alten Leute in unserem Dorf und die Tatsache, dass sie ja bei einer möglichen Einführung einer Maskenpflicht ja erstmal nicht passendes da hätten.

Als dann die Maskenpflicht kam und ich zufällig am ersten Tag der Tragepflicht beim Apothekenbesuch mitbekam, wie viele Leute sich dort medizinischen Mundschutz für teuer Geld kauften, war mein Entschluss gepackt, dass da Abhilfe geschaffen werden musste.
Der Plan war da: Ich nähe Behelfsmasken für Jedermann und biete sie an unserem Gartenzaun, der zentral am Radweg im Dorf liegt, für die Leute an.

Behelfsmasken am Gartenzaun im Morgenlicht
Behelfsmasken am Gartenzaun im Morgenlicht

Das Masken nähen verstehe ich als Nachbarschaftshilfe und um dem kommenden Berg an Einmalmaskenmüll entgegenzuwirken. Immerhin ist eine Stoffmaske nachhaltiger in ihrer Verwendung, als eine Maske aus Papiervlies, welche nach allerspätestens 8 Stunden Tragezeit entsorgt werden muss.

Den Mann überzeugen vom Projekt

Als ich dem Mann letztlich davon erzählte, was ich geplant habe und wie ich es umsetzen möchte, hat der sich vermutlich gedacht, ich bin verrückt geworden. Trotzdem hat er mich von Beginn an unterstützt und meine Vorstellung von einer Wäscheleine am Gartenzaun für die Behelfsmasken umgesetzt. Außerdem verwandelte er für mich eine Metalldose in eine Spardose für mögliche Spenden für die Masken. Auch bindet er sich immer mehr mit ins Maskenprojekt ein und hat sich mittlerweile zum Koordinator ernannt. Ich nähe, bügel und suche Stoffe raus.

Arbeitsplatz fürs Masken nähen
Optimierter Nähplatz fürs Masken nähen

Behelfsmasken nähen im Akkord

So saß ich dann an meinen zwei freien Tagen in jeder verfügbaren Minute an der Nähmaschine und nähte die ersten Behelfsmasken. Immer unter dem Aspekt, dass die Kinder nicht vernachlässigt werden und Zeit mit ihnen und der Familie bleibt.

Als dann, nach nur einem Tag Vorarbeit, die ersten Masken am Gartenzaun hingen, ich mein Projekt auf Instagram und im WhatsApp-Status teilte, war die Resonanz darauf überwältigend. Es kam viel Lob und Anerkennung.
Auch am Gartenzaun fanden die ersten Masken ihre dankbaren Abnehmer. Es waren allerdings überraschenderweise Kinder und keine älteren Leute, die die ersten Masken mitnahmen und ein paar Münzen in unsere Spendendose warfen. Aber schnell sprach sich unser Gartenzaunprojekt herum und immer mehr Masken finden ihre Abnehmer.

Ich nutzte jetzt immer mehr meine freien Tage und Zeit um Masken zu nähen. Teilweise bis mitten in die Nacht hinein. Doch konnten wir, trotz der vielen Näherei, dem Bedarf nicht gerecht werden. So hatten wir jetzt auch schon einen Tag, letzten Montag, wo es keine Masken gab, da ich, neben Arbeit, Familie, Haushalt und Schlaf, nicht mit dem Nähen hinterher kam.

Mittlerweile ist die komplette freiwillige Maskennäherei aber so optimiert, dass alles hintereinander weg geht. So schneidet der Mann Stoffe zu und näht u.a. auch mal die erste Naht, während ich auf Arbeit bin. Auch das Verpacken der Masken in ihre Tüten, zusammen mit einem tollen Flyer von der lieben Regina, macht er nebenbei. Oft sitzen wir zur Zeit gemeinsam im Nähzimmer und unterhalten uns miteinander, während ich nähe. Manchmal kommt auch noch ein Kind dazu um zuzuschauen.

Behelfmasken fertig eingetütet im Korb
Masken fertig eingetütet.

Ich habe schon scherzhaft gesagt, dass unser Projekt mit den Behelfsmasken am Gartenzaun, der ultimative Test für ein mögliches kleines Nebengewerbe ist. Immerhin müsste das mit meiner Arbeit, der Familie und Haus und Garten konform im Einklang sein. Das ist aber echt komplex, wie es sich bisher zeigt.

Wird für unsere Behelfsmasken gespendet?

Was spenden die Leute so für eine Maske?
Das werden wir manchmal gefragt. Die Antwort ist einfach: Viele Leute geben etwas. Der eine mehr, der andere weniger, ein paar Leute geben nichts. Ja so ist es.
Daran kann gut erkannt werden, wer Handarbeit schätzt und wer sich vermutlich nur denkt, er kann kostenfrei an eine Maske kommen.

Durch unsere akribische Dokumentation aller genähten Masken am Gartenzaun und der täglichen Leerung der Spendendose wenn die Leine leer ist, wissen wir genau, wie viel so täglich gegeben wird. Man sieht es auch an den Münzen und zum Teil Scheinen in der Dose. Denn nicht jeder nimmt sich nur eine Maske mit. Oft sind es auch gleich mal 2 oder mehr Behelfsmasken, die mitgenommen werden. Oder die Leute kommen wieder, um sich noch eine Maske zu holen.

Die Mehrheit der Leute spenden aber so viel für unsere Masken, dass die Unkosten an Material und Nebenkosten vielleicht gerade so gedeckt werden. Ob es am Ende reicht, sehen wir bei Beendigung unseres Projektes. Aber durch die Spenden ist es uns auch möglich neue Stoffe und Zubehör zu kaufen und das Projekt fortzuführen solange der Bedarf besteht. Mein Arbeitsaufwand bleibt ehrenamtlich.
Möchte jemand allerdings direkt eine größere Menge an Masken haben, dann sagen wir auch nicht unbedingt nein dazu, wenn es zeitlich umsetzbar ist. Doch wird dann ein fester Spendenbetrag fällig pro Maske.

Als Grenze haben wir uns erst einmal 1000 Masken gesetzt, ob wir die je erreichen werden, wird sich zeigen. Wir sind gespannt, wie lange es bis dahin sein wird.

Bis bald
euer Nähbienchen Bianca

Behelfsmasken mit Beipackzettel
Fertige Behelfsmaske mit Beipackzettel